Ein Amazon-Konto wird nicht „über Nacht“ gesperrt — Signale sammeln sich, der Risiko-Score steigt und der Verkauf stoppt

Was tun, wenn dein Amazon-Konto gesperrt wird?
Eine Wiederherstellungsstrategie mit echten Szenarien

Eine Sperrung bedeutet nicht nur einen Verkaufsstopp — sie kann auch Cashflow blockieren und Markenvertrauen beschädigen. Dieser Leitfaden erklärt Sperrungsarten, was in den ersten 24 Stunden zu tun ist, reale Ursachen und Amazons akzeptierten Ansatz: Nachweise + Maßnahmen + System.

Wenn du die Sperrungsart falsch liest, baust du die falsche Lösung: Listing, Konto oder Auszahlungen?

1️⃣ Was bedeutet eine Sperrung? (Art korrekt diagnostizieren)

Es sieht gleich aus — die Lösung ist es nicht

Amazon greift auf drei Ebenen ein — und jede erfordert andere Nachweise. Deine erste Aufgabe ist nicht „antworten“, sondern die Sperrungsart sauber zu klassifizieren.

  • Listing-Sperrung: ein Produkt/ASIN wird deaktiviert (oft Qualität/Compliance/Beschwerden)
  • Konto-Sperrung: der gesamte Shop wird gestoppt (Vertrauen/Performance/Dokumentation)
  • Auszahlungen einbehalten: Gelder werden zurückgehalten (High-Risk-Einstufung — schwerster Fall)
Kritisch: Falsche Klassifizierung = falscher Appeal = längerer Prozess.
Die ersten 24 Stunden sind nicht für Panik — sondern für Nachweise und Ursachenanalyse.

2️⃣ Die ersten 24 Stunden: Was tun und was lassen?

Der größte Fehler: POA aus Foren kopieren

Wenn du Amazon „gute Absichten“ verkaufst, verlierst du. Das System will Prozesse, nicht Emotionen. Die ersten 24 Stunden sind nicht fürs Schreiben — sondern für Nachweise sammeln + Kontrolle aufbauen.

  • ✅ Grund und Policy-Referenz klären (E-Mail + Performance Notifications)
  • ✅ Betroffene ASIN/SKU und Zeitraum erfassen
  • ✅ Supply- & Dokumentenset sammeln: Rechnung, PO, Versand, Lot/Batch, Markenfreigaben
  • ✅ Beschwerden kategorisieren: „defective / not as described / counterfeit“
  • ❌ Kein Appeal mit „Es tut uns leid“ als Schwerpunkt senden
  • ❌ Nicht drei unterschiedliche Appeals am selben Tag einreichen (Widersprüche)
Regel: Erst Diagnose, dann POA. Umgekehrt ist amateurhaft.
Dokumenten-Ablehnung heißt selten „keine Rechnung“ — meist stimmt der Standard nicht.

3️⃣ Reales Szenario: Dokumente / Rechnung wird abgelehnt

Amazon will keine „Datei“ — Amazon will verifizierbare Beschaffung

Viele Seller sagen „Rechnung gesendet“, werden aber trotzdem abgelehnt. Denn Amazon sucht nicht nach PDFs, sondern nach Konsistenz und Rückverfolgbarkeit.

  • Firmenname/Adresse konsistent mit Seller-Central-Daten?
  • Produktbeschreibung eindeutig? (Modell, Marke, Menge, Variation)
  • Datum im erwarteten Rahmen? (häufig innerhalb der letzten 365 Tage)
  • Lieferant real und verifizierbar?
  • Trace vorhanden? (PO / Versand / Lot-Batch-Konsistenz)
Klartext: Dokument vorhanden reicht nicht — der Nachweis-Standard muss stimmen.
Fälschungsverdacht: eine Beschwerde kann reichen — die Antwort muss „Nachweis + Prozess“ sein.

4️⃣ Reales Szenario: Fälschungsverdacht / Markenrisiko

Diese Kategorie ist „sensibel“ — wenig Spielraum

Wenn „Counterfeit“ im Raum steht, geht es nicht mehr um das Produkt, sondern um Vertrauen. Amazon erwartet Transparenz in der Lieferkette und ein Kontrollsystem, das Wiederholungen verhindert.

  • Herkunftsnachweis: autorisierter Distributor/Markenbeziehung, Freigaben, Verträge
  • Rückverfolgbarkeit: Lot/Batch, Wareneingangsdaten, Lager-In/Out-Trace
  • Kontrollen: Wareneingangs-QC, Serien-/Label-Checks, Verpackungs- & Visual-Standards
  • Risikoreduktion: Quarantäne für verdächtigen Bestand + Stop-Sales-Prozess
Regel: „Wir verkaufen keine Fälschungen“ ist kein Nachweis.
Hohe Retouren/Beschwerden sind oft nicht „das Produkt“ — sondern Erwartungsmanagement und Content-Fehler.

5️⃣ Reales Szenario: Hohe Retouren & Kundenbeschwerden

Amazon schaut auf Kennzahlen — fallen sie, fällt auch die Sichtbarkeit

Manchmal sind Sperrungen keine klassische „Policy-Verletzung“, sondern ein Performance-Einbruch. ODR, Retourenquote, „not as described“-Beschwerden… alles läuft auf Customer-Experience-Risiko hinaus.

  • Listing-Content: falsche Versprechen, fehlende Maße, irreführende Bilder → Retouren steigen
  • Verpackungsstandard: Bruch/Schaden → „defective“ nimmt zu
  • Qualitätskonstanz: Batch-Abweichungen → unterschiedliche Erfahrungen unter derselben ASIN
  • After-Sales: langsame Antworten / schwache Lösungen → A-to-Z-Risiko
Klar: Performance-Verlust erhöht deinen Account-Risiko-Score still und leise.
EU-Compliance-Lücken: Das „wir fixen das später“ ist genau der Punkt, an dem Shops geschlossen werden.

6️⃣ Reales Szenario: EU-Compliance / Produktsicherheitslücken

Das ist nicht mehr nur Operations — das ist Rechtsrisiko

CE/Kennzeichnung/Technische Unterlagen/EU Authorized Representative sind kein „Nice-to-have“ — sie sind die Basis für den Verkauf in Europa. Amazon hat hier immer weniger Toleranz.

  • Falsche Einstufung: stimmt die Produktkategorie nicht, bricht das Setup
  • Kennzeichnung: Herstellerangaben, Warnhinweise, Rückverfolgbarkeit
  • Technische Unterlagen: bei Anfragen oft deine einzige Verteidigung
  • EU Authorized Representative: Pflicht-Risiko je nach Produktgruppe
  • GSB / Safety: Amazons geforderte Sicherheits-Nachweisstandards
Regel: Compliance wird vor dem Verkauf aufgebaut. „Später fixen“ ist teuer.
Ohne Ursache, Nachweis-Set, Maßnahmen und Präventionskontrollen ist dein POA schwach.

7️⃣ Schnell-Checkliste zur Wiederherstellung

Bevor du einen POA schreibst, müssen diese 10 Punkte „fertig“ sein

  • Ist die Sperrungsart klar? (Listing / Konto / Auszahlungen)
  • Hast du die referenzierte Amazon-Policy korrekt verstanden?
  • Hast du betroffene ASIN/SKU und Zeitraum sauber erfasst?
  • Ist das Dokumentenset bereit? (Rechnung/PO/Versand/Brand Docs)
  • Hast du Beschwerden kategorisiert? (defective / not as described / counterfeit)
  • Ist die Ursache in einem Satz klar? (konkret, nicht generisch)
  • Sind Sofortmaßnahmen dokumentiert? (Stop-Sales, Fixes, Quarantäne)
  • Sind permanente Kontrollen systematisiert? (SOP, QC, Supplier Audit, Content QA)
  • Ist der Nachweis-Standard bereit? (Fotos, Records, Prozessdokumente)
  • Gibt es Widersprüche? (verschiedene Stories = Ablehnung)
Kurz: Amazon will umgesetzte Kontrollen — keine Versprechen.

🔗 Fazit

Wenn dein Amazon-Konto gesperrt wird, geht es nicht darum, „einen Text zu schreiben, damit es wieder aufgeht“. Es geht darum, Amazons Risikowahrnehmung durch Nachweise, Maßnahmen und ein System zu senken. Ohne richtige Diagnose, sauberes Nachweis-Set und Prävention kann der Shop zwar wieder geöffnet werden — und trotzdem schnell erneut Risiko erzeugen.

Letzter Satz: Wenn du das Konto zurück willst, rette zuerst das System.
Hinweis: Dieser Inhalt dient nur der Information und ist keine Rechts-/Steuerberatung.

Verlängere die Sperrung nicht: Senke das Risiko mit Nachweisen + Prozessen

Sperrungsgrund (Dokumente/Performance/Fälschungsverdacht/Compliance), Produktgruppe, Beschaffungsmodell und Vertriebskanäle … Daraus leiten wir die Ursache ab, strukturieren dein Nachweis-Set und bauen einen dauerhaften Präventionsplan im erwarteten Amazon-Standard. Mit Grexon: nicht nur das Konto zurückholen — Kontrolle zurückholen.